Supersize us

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Es wird immer offensichtlicher: Das Camp Digital der Good School ist in Wirklichkeit ein ernährungswissenschaftliches Experiment. Croissants, Widschwein-Pasteten, Trüffelbrie, Lamm am Spieß, Käsekuchen, Negerkußbrötchen - wer platzt als erster? Das ganze ist wahrscheinlich schon längst ein japanischer YouTube-Channel. Ich überlege, ob eine Anzeige wegen Körperverletzung Aussicht auf Erfolg haben könnte.

Das ganze Leben ist ein ARG und wir sind nur die Kandidaten

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Hape Kerkeling hat es irgendwie geahnt und die digitale Revolution macht´s nicht besser. Zum Beispiel Alternate Reality Games, eine Art digitales Topfschlagen, kurz ARG. Um ein neues Produkt oder so einzuführen, denken sich Leute ein Spiel oder so aus, das möglichst nicht wie ein Spiel oder so daherkommen soll. Realität und Virtualität verschmelzen zu irgendwas oder so. Der Mensch als Spielball seines eigenen Spieltriebs auf Schnitzeljagd durch alle möglichen Medien wie Emails und Blogs und analoge Post und so. Am Ende reden dann alle mit allen über zum Beispiel ein neues Geschirrspülmittel. Soweit der Plan. Stellt sich eine Frage in den Weg: Wie langweilig muss einem sein, damit man sich wochenlang auf die Jagd nach Pixelbonusartefakten für ein neues Geschirrspülmittel macht und was sind das für Leute? Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Leute, die erzwungene Blogs über die Jagd nach Pixelbonusartefakten für ein neues Geschirrspülmittel lesen. Wundersame neue Welt.

 

Nerdification

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Sammelnachtrag zu den Vorträgen Social Media Analyse, Social Media Metrics, Social Media PR, Social Media Laws, Search Engine Optimization, Customer Journey, Performance Marketing.

Weiß jetzt, warum Nerds Nerds heißen. Und bin das erste Mal verdammt froh, daß es sie gibt. Müsste ca. 12 Jahre Kindheitserinnerungen in meinem Kopf löschen, um Speicherplatz für das alles zu schaffen. Mach ich aber nicht. Dafür gibt´s ja Nerds. Thx.

 

 

Lübü for President

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Der nächste bitte: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, als Offline-Tiny-URL auch kurz Lübü. Vater, Theologe und absolute Social Media Lichtgestalt. Dementsprechend ist der Vortrag. Eine wortgewaltiges Donnerwetter geprägt von wahrer innerer Überzeugung mit einem Schuß väterlicher Fürsorge. "Es geht nicht um Technologie, sondern Kultur!" Lübü schafft das Kunststück, genau an der richtigen Stelle an unsere sehr heterogen vorgebildete Laborratten-Expertengruppe anzudocken. Und wie. "Es geht nicht um virtuell, es geht um real!" Jawoll! "Lineares Fernsehen(!!!) hat zunehmend nur noch durch Live-Formate Relevanz!" Ich fühle mich bestätigt, ermächtigt und erhellt, geradezu erleuchtet. "Es geht nicht um Freundschaft, es geht um Beziehungen!" Yes, we can! Ich konvertiere und werde Lübü auf seiner Mission folgen. Auf Twitter zumindest.

Nachtrag: Luebue´s erster Tweet. Kein Kommentar.

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Social Media Cowboys

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Es war von Anfang an ein ungleicher Kampf. Wir - die Laborratten - gegen die Leute von der Social Media Ranch. Wie es dazu kam: Drei Laborratten-Teams hatten 10 Minuten Zeit ein Social Media Konzept zu „entwickeln“, es an eine Wand zu pinnen und wurden dann total unvorbereitet aus dem Hinterhalt mit einem gut vorbereiteten „Shitstorm“ an Anti-Postings aus den Latschen geschossen. Keine Überlebenden.

Die substanziellen Key Messages aus dieser Wild-West-Simulation:

1.) Social Media besteht hauptsächlich aus dem Umgang mit generell mißgünstigen, aggressiven, irrational um sich postenden und gewaltbereiten Hasspredigern. Am besten, man lässt sich mit denen gar nicht ein.

2.) Man kann in ganzen 10 Minuten für diese blutrünstige Meute doch tatsächlich nicht so leicht ein total unangreifbares Social Media Konzept für ein nicht gerade unangreifbares Produkt aus dem Bleistift schütteln.

3.) Man sollte sich doch tatsächlich vorher schon irgendwie auch auf unbequeme Kommentare vorbereiten, bevor man ein Social Media Konzept online stellt.

4.) So richtig echte Social Media Profis können das. Toll, wie die das so hinkriegen im wilden Internet und die auskeilende Herde von scheinbar rinderwahnsinnigen Verbal-Hooligans zureiten und im Zaum halten. Wie die Cowboys eben.

Wenn ich noch mal richtig jung wär, würde ich bestimmt Social Media Cowboy werden. Die ziehen schneller als mein Schatten. 

Aber nein, nein, nein - ganz so schlimm ist das natürlich alles gar nicht in Wirklichkeit im Internet - heißt es, als der Pulverrauch sich gelegt hat. Puh, und ich dachte schon... Ganz hinten in meinem Kopf wagt sich kurz die Frage aus der Deckung, warum man es dann erst so darstellt. Die duckt sich aber ganz schnell wieder weg. Wer solche Fragen stellt, guckt schnell mal in den Lauf eines Colt Kaliber .45 Peacemaker. 

Streichelzoo

Wir bekommen Besuch. Echte Digital Natives und SilverSurfer zum Anfassen. Face-to-Face mit der digitalen Revolution. Erstaunlicherweise kommen sie ganz normal durch die Tür und nicht als Download.

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Zum Beispiel Cedric. Cedric ist Facebook-Exhibitionist. Stellt einfach mal alles über sich auf Facebook aus. „Wieso denn nicht?“ Datenschutz ist was für soziophobe Gruftis mit paranoidem Digitaldefekt.

Oder Flying-Uwe, Kung-Fu-YouTube-Star. Kann irgendwie an Wänden kleben. Für ein paar Augenblicke. Eigener YouTube-Channel und Fotomodel. Oberarme wie Popeye Unterarme. Respekt. War besorgt um sein Hemd. Im Schnitt 400.000 Views per Video, mit Frauenhintern drin auch mal eine Million.

Oder Marcel. Marcel hat einen erfolgreichen Blog und weiß nicht, warum. Macht Werbung für alle, wenn das Geld stimmt. Kommentare hat er bei sich abgestellt. Nerven nur.

Eine digitale Girlgroup hat sich in die Ecke gesetzt. Bis auf den großen weißen Totenkopf vom FC St.Pauli alle drei komplett in schwarz. So jung, daß eine analog aufgewachsene Begleitperson juristisch vorgeschrieben ist. Um nicht aufzufallen, ist sie auch in schwarz.

Überraschung. Die jüngsten Digitalnativen vor Ort gucken noch Fernsehen (am liebsten „How I Met Your Mother“ – sehe ich auch gern und fühle mich plötzlich unreif), machen eine Schülerzeitung auf Papier („...dann kriegt man dafür ja Geld und lernt Leute kennen...“), eine ist noch nicht mal auf Facebook und alle lesen quasi keine Blogs. Soviel dazu.

Zwei SilverSurfer sind auch noch da. Beide der Hit. Wolfgang ist über 70 und hat eine eigene Stahlstich-Website für zinnene Jagdpretiosen mit starker Tendenz zum eBay-Powerselling und eCommerce. Holger dagegen beschäftigt sich mit dem Internet von dessen Geburt an, ist noch mit Akkustik-Kopplern online gegangen und bietet jetzt wie selbstverständlich Internet-Kurse für Senioren an. Beide zu ca. 67% mehr „Digital Native“ als der 50 Jahre jüngere Neffe meiner Frau.

Ich gucke mal auf Wikipedia nach und stelle fest, dass nicht nur ich die gesellschaftliche Aufteilung in Digital Immigrants und Digital Natives nach Geburtsjahr für Bullshit halte. „...weil hinsichtlich des tatsächlichen Nutzungsverhaltens (das heißt für welche Aktivitäten die Medien verwendet werden) kaum Unterschiede zu früheren Nutzern feststellbar sind und sich deshalb keine neue Generation im Sinne des Begriffs herausgebildet hat. 

Des Weiteren ist eine reine Klassifikation nach Alter nicht realitätskonform, da nicht selten auch Angehörige der Digital-Immigrant-Generation mit den neuen Medien umgehen, als wären sie damit aufgewachsen. Daneben gibt es auch Angehörige der jungen Generation, die traditionellere Formen von Kommunikation und Zusammenarbeit bevorzugen. Demnach wäre der Begriff des digital native über die Art und Weise des Umgangs mit Medien und Technik zu definieren und nicht über das Alter.“ Genau.

EgoDrive

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Ein Engländer von einer Firma mit Filialen in Amsterdam, Washington D.C., San Francisco, New York, London, Berlin und Shanghai erzählt Deutschen in Hamburg auf Englisch von einer Idee für eine italienische Automarke. Das ist jetzt aber mal echt internäschonell! Toll. Es geht um EcoDrive von Fiat. Ein USB-Stick verändert die Welt.

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Vor Begeisterung googlele ich spontan und erfahre vom Focus: „Die deutschen Autofahrer schalten zwar frühzeitig hoch, verbrennen aber durch starkes Beschleunigen zu viel Kraftstoff. Trotzdem liegt Deutschland im Ländervergleich noch auf Platz zwei hinter Großbritannien, aber vor Italien, Spanien und Frankreich.“ Im Ländervergleich Platz 2, aber an der Ampel immer Erster! Ich werte das als Sieg für Deutschland. „Mit dem richtigen Fahrstil können laut Fiat bis zu 16 Prozent Kraftstoff gespart werden, im Durchschnitt senkten die Fahrer den Verbrauch ihres Autos um sechs Prozent.“ Aha, Autofahren wird zur Stilfrage. Ich sehe in meinem geistigen Rückspiegel Anknüpfungspunkte für Fashionlabel.
Vor der Tür steht dann auch ein Fiat 500 in der modischen Diesel-Edition. Ist aber kein Diesel, sondern ein Benziner. Der Kreis schließt sich also. Der Engländer von einer Firma mit Filialen in Amsterdam, Washington D.C., San Francisco, New York, London, Berlin und Shanghai hat fertig. Leicht betäubt von der globalen Ego-Emission sind alle sprachlos. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren. 

Nerdromantik

Erst mal was anderes vorab - eine gute Nachricht: Marken haben auch weiterhin ihre Berechtigung! Sagt unerschrocken Thomas, unser dritter Lehrer und benutzt dabei sogar das gute alte Wort Leuchtturm. Ich frage mich zwar unwillkürlich, ob Thomas wohl wirklich ein digitaler Eingeborener ist, bin aber auch irgendwie erleichtert. Gefühlte 438 Bücher zum Thema Marke umsonst gelesen zu haben, wäre jetzt auch echt doof. Alles weitere klingt dann auch ganz logisch.

Als Masse ist der Mensch nur schwer zu bewegen, der Einzelne dagegen ist nur schwer zu erwischen. Deswegen geht es im Netz zuerst darum, sich zu finden, dann um den Nutzen, den man daraus zieht, damit man auch wiederkommt und so weiter. Haken dran.

Dann kommt Romantik ins Spiel. Es wird das schöne Bild eines Schmetterlings bemüht, der auf einer großen Blumenwiese von Blüte zu Blüte schwebt. Die Blüten sind Websites und der Schmetterling, das sind wir alle. Alle sind ganz still vor Rührung. Ich meine, hinten ein Schluchzen gehört zu haben. Es fällt mir plötzlich schwer, kontroverse Reibungspunkte für den Blog hier zu entdecken. Muss eben auch mal so gehen.

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Relevante Würstchen

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Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler war gestern. Heute muss das Würstchen der digitalen Ratte schmecken. Wieder was gelernt. Und wie die Würstchen schmecken sollten, weiß ich jetzt auch. Irgendwie nützlich oder unterhaltsam oder sonst wie besonders toll muss es sein. Wie hätten Sie Ihr Würstchen gern? Relevant!  So wie bei Amex, BurgerKing oder Adidas. Dotcom, nicht Dotde natürlich. Problem ist irgendwo irgendwie immer noch auch da schon ein wenig, die digitalen Website-Würstchen möglichst schnell zu ganz vielen Ratten in den Käfig zu kriegen. Sonst werden die noch kalt. Lästig. Da hilft es nach wie vor, wenn die Ratten einen Fernseher oder so haben, wo sie das Würstchen schon mal sehen können, damit sie dann selber danach suchen. Gefressen wird im Internet.

Wurstvergleich! Wir bilden Gruppen und schauen uns virale Webideen an. Wer hat weltweit das dickste Würstchen? Die Meinungen gehen auseinander. Eins kommt dabei ans Tageslicht: Werber lieben es einfach. Die jahrzehntelange Diktatur von Keep-It-Simple-And-Stupid hat eben Spuren hinterlassen. Und sie ist vorbei. Sagt Bernd, unser zweiter Lehrer, ein Onliner. Onliner wollen sich nicht auf irgendwas reduzieren lassen. Onliner mussten ja auch noch nie innerhalb der durchnittlichen Verweildauer von 2 Sekunden auf einer Anzeige eine 33-seitige Brand-Diamond-Strategie transportieren. Onliner wollen es relevant, der Rest ist - na, was?  Wurst. Und wenn auch erst mal ein Weltstar sterben muss, damit man dann als "Tribute to Michael Jackson" die längste Rückwärts-Polonäse der Welt auf YouTube veranstalten kann, ist auch das cool. Um so besser, denke ich. Reduktion macht eh nur Schmutz.